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Am 25. August 2011 gab ich in diesem Blog bekannt, dass ich mich mit der Werksausgabe Wittgensteins befassen werden. Seitdem sind mehr als eineinhalb Jahre vergangen, als ich nun schließlich mit den Vermischten Bemerkungen die Lektüre abschließen konnte.

Was ich aus dieser Lektüre mitnehme ist die kritische Auseinandersetzung mit Begriffen und deren Verwendung bzw. Bedeutung. So ist z.B. die grammatikalisch korrekte Verwendung eines Begriffs nicht zwingend logisch stichhaltig. So können Begriffe aus der euklidischen Geometrie nicht zwingend auf die physische Welt angewendet werden, da bestimmte Annahmen dann nicht mehr gelten. Ein Punkt in der euklidischen Geometrie ist eben etwas anderes als ein mit Bleistift gesetzter Punkt auf einer Zeichenfläche. Darin sah Wittgenstein wohl auch eine der Hauptaufgaben der Philosophie: Die Sprachverwendung kritisch zu hinterfragen, um die aus falscher Anwendung entstandenen Annahmen aufzuzeigen.

Bei Schopenhauer kann ich dem Vorwurf der allzu schwachen Auseinandersetzung mit dem Gelesenen damit begegnen, dass ich mich regelmäßig mit anderen Interessierten weiterhin mit dem Werk Schopenhauers auseinandersetze. Bei Wittgenstein wird das wohl so intensiv nicht der Fall sein. Ich hoffe dennoch, dass mir nicht alle Grundgedanken Wittgensteins abhanden kommen, da ich diese als durchaus wichtig empfinde.

Der dritte Teil der Werksausgabe der Werke Ludwig Wittgensteins widmet sich den Gesprächen Wittgensteins mit Moritz Schlick und Friedrich Waismann. Schlick und Waismann ihrerseits sind Begründer bzw. Mitglied des Wiener Kreises, dessen Mitglieder den Logischen Empirismus diskutierten, der u.a. wohl auch von Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus beeinflusst wurde.

Wittgenstein setzt sich in den Gesprächen kritisch mit dem Tractatus auseinander, korrigiert auch einige im Tractatus formulierte Gedanken und wiederholt und präzisiert so manche Aussage. Zumindest hilft die Wiederholung der Gedanken Wittgensteins sich besser in sein Denken hineinzuversetzen: Der Tractatus allein für sich gestellt ist ganz schön schwere Kost, die weitere Beschäftigung mit Wittgenstein bzw. mit seinen Gedanken hilft aber, den Tractatus besser zu verstehen.

Darüber hinaus finden sich in den Gesprächen auch einige Aussagen über Ethik und Moral. So sagt Wittgenstein z.B.:

Der Mensch hat die Tendenz, gegen die Grenzen der Sprache anzurennen. Dieses Anrennen deutet auf die Ethik hin. Alles, was ich beschreibe, ist in der Welt. In der vollständigen Weltbeschreibung kommt niemals ein Satz der Ethik vor, auch wenn ich einen Mörder beschreibe. Das Ethische ist kein Sachverhalt.

Der letzte Satz bringt es bereits in der Sprache Wittgensteins auf den Punkt: Wir können die Ethik nicht beschreiben oder nichts über die Ethik aussagen, da etwas Ethisches nicht in der Welt vorkommt. Oder anders gesagt: Was Gut oder was Böse ist, ist eine Frage der Definition und kann nicht logisch geschlossen oder aus der Welt selbst ergründet werden, denn die Welt kennt kein Gut oder Böse.

Als Definitionen des Ethischen würde ich z.B. die 10 Gebote bzw. den Kategorischen Imperativ annehmen. Die 10 Gebote und der Kategorische Imperativ sagen was man tun oder lassen soll, um ethisch zu handeln. Zum Soll sagt Wittgenstein:

Was heißt das Wort »soll«? Ein Kind soll das tun, heißt: wenn es das nicht tut, dann wird das und das Unangenehme eintreten. Lohn und Strafe. Das Wesentliche daran ist: der andere wird bewogen, etwas zu tun. Ein Soll hat also nur Sinn, wenn hinter dem Soll etwas steht, das ihm Nachdruck gibt – eine Macht, die straft und belohnt. Ein Soll an sich ist unsinnig.

In Anspielung auf Schopenhauers “Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer” sagt Wittgenstein schließlich:

Moral predigen ist schwer, Moral begründen unmöglich.

(Wobei ich persönlich finde, dass Schopenhauer die Begründung der Moral schon ziemlich gut hingekriegt hat. 🙂 )

Als ich Schopenhauer las, entwickelte ich irgendwann eine Vorstellung von dem, was Schopenhauer meinen könnte, indem ich es mit mir Bekanntem verglich. Dadurch entstand ein Bild im Kopf, dass es mir erleichterte den Ausführungen zu folgen und daraus einen Sinn für mich zu schließen. Zugegebenermaßen erleichtert Schopenhauer den Zugang zu seinem Werk durch allerlei Beispiele und Vergleiche.

Als ich nun die 85 Seiten des Tractatus Wittgenstein’s las, konnte sich eine Vorstellung nur in Ansätzen aufbauen. Einige Aussagen sind derart nachvollziehbar, dass sie keine besondere Anstrengung voraussetzen, um sie nachvollziehen zu können. Z.B. schreibt Wittgenstein, dass die Welt aus Sachverhalten bestehe und nicht aus Dingen. Ein Sachverhalt stelle dabei eine Verbindung zwischen Dingen dar. So wie ich das verstehe, könnte man dafür folgendes Beispiel geben: Ich fasse nicht Baum und Hinterhof auf, sondern die Beziehung Der Baum steht im Hinterhof. Selbst wenn man nicht derselben Meinung ist (Welt aus Sachverhalten), so ist es zumindest nachvollziehbar.

Bei der Erklärung von sinnvollen, sinnlosen und unsinnigen Sätzen wird es dann schon verzwickt. Ein sinnvoller Satz wäre Der Baum ist gelb, denn dieser Satz bildet einen Sachverhalt der Welt ab, egal ob der Satz nun wahr oder falsch ist. Ein sinnloser Satz ist Ich gehe mit meinen Füßen, denn er ist immer wahr (Tautologie). Soweit so gut, aber bei unsinnigen Sätzen wird es nun problematisch. Wenn ich den Tractatus richtig verstanden habe, dann könnte folgender Satz (in Anlehnung an Schopenhauer) unsinnig sein: Ich kann wollen was ich will Unsinnig ist der Satz deshalb, weil es nichts gibt, was dem Satz entspricht oder anders gesagt, der Satz bildet keinen Sachverhalt der Welt ab. Im Gegensatz dazu bildet der Satz Der Baum ist gelb einen Sachverhalt der Welt ab. Das Verzwickte an dieser Satzeinteilung ist nun, das Wittgenstein nun konsequenterweise auch die Aussagen aus dem Tractatus als “Unsinnig” bezeichnet, denn auch diese bilden keine Sachverhalte der Welt ab.

Mal sehen, ob ich den Tractatus nicht nochmal lese. Vielleicht entsteht dann auch eine vollständigere Vorstellung von dem dort geschriebenen. 🙂

Es ging schnell, sehr schnell, und so las ich heute zufrieden die letzten Seiten von Clean Code. Ein sehr gutes Buch, dass ich besonders jedem empfehlen kann, der gerade Schwierigkeiten hat, seinen eigenen Anspruch mit den Realitäten im Unternehmen in Einklang zu bringen. Meine Probleme lassen sich vielleicht am besten mit der folgenden Aussage von anderer Stelle beschreiben, die über die Realisierung von Software-Projekten gemacht wurde:

Das Problem sind zu komplizierte Entwicklungsprozesse, Schwierigkeiten, die richtigen Prioritäten zu setzen, technische Inkompetenz und die Missachtung der wichtigsten Regel in der Software-Entwicklung: Software wird von Programmierern entwickelt und nicht von Projektmanagern.

Doch darüber hinaus freue ich mich aber sehr auf die nun folgende Lektüre: Wittgenstein – Werksausgabe in 8 Bänden (115€ wer es wissen will – ja, ich lasse mir meine Klugscheißerei was kosten! :-D). Schon der Einstieg war hervorragend (bewog er mich doch zu diesem Blogeintrag), der mit dem einigermaßen bekannten Ausspruch aus dem Tractatus Logico-Philosophicus aufwartet:

Man könnte den ganzen Sinn des Buches etwa in die Worte fassen: Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.

Herrlich! Wenn ich diese Zeilen momentan lese, mag bei mir aber auch ein süffisanter Ton mitklingen, der die lauernde Resignation bittersüß erscheinen lässt.

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