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Ich finde diese “Wahl-Woche” hier in Weißrussland durchaus spannend, auch wenn dunkle Vorahnungen das Ergebnis schon vorweg nehmen. Die Oppositionsseite Charter97.org berichtet jedenfalls schon fleißig, wie wohl den Menschen schon nahegelegt wird am Early Voting (frühem Wählen – am Sonntag den 19.12. findet die eigentliche Wahl statt, aber man hat die Möglichkeit seine Stimme schon früher abzugeben) teilzunehmen. Dieses System macht teilweise sogar Sinn, da in Weißrussland auch oft Sonntags gearbeitet wird. Aber dieses System kann auch dazu Missbraucht werden, Wahlfälschungen im großen Stil durchzuführen.

Die deutschen Nachrichten (konkret Tagesthemen und Weltspiegel) berichteten bereits über die Wahl in Weißrussland und natürlich habe ich die entsprechenden Informationen direkt an meine Studenten weitergeleitet. Die können ja nichts dafür, dass die Medien in Weißrussland fest in Staatshand sind (da soll nochmal einer über die GEZ meckern…).

Ich habe im Übrigen meinen Studenten aufgetragen, sich bis Samstag über alle Kandidaten der Präsidentschaftswahl zu informieren. Ich habe das ausdrücklich betont, da es wohl Professoren gibt, die ihren Studenten nahelegen, den Kandidaten zu wählen, den sie am besten kennen… auf wen das hinaus läuft, kann man sich ja dann vorstellen.

Sich zu informieren ist im Übrigen gar nicht so leicht, denn entweder muss man einen der Wahlstände der Opposition besuchen, die an verschiedenen Tagen an verschiedenen Stellen geöffnet werden, sich im Internet oder aber an solchen Wahlwänden informieren, die relativ spärlich verteilt sind.

Auf diesen Wänden, habe ich bisher noch kein Plakat des amtierenden Präsidenten gesehen. Sprich, auch auf dem Foto sind nur Oppositionskandidaten zu sehen (Sannikow – blau – und Neklajew – rot -, beide die aussichtsreichsten Kandidaten der Opposition).  Der Präsident wird so oft im Fernsehen gezeigt, hängt in so vielen Amtsstuben, dass er wohl auf Plakate verzichten kann.

Mir hat im Übrigen mal jemand in Weißrussland gesagt, dass die Kandidaten der Opposition nicht den “Schneid” mitbringen, den der aktuelle Präsident vorweisen kann. Nachdem, was ich bisher von diesem Präsidenten vernommen habe, konnte ich da dann nur noch verwundert den Kopf schütteln. Ich meine, Silvio Berlusconi ist schon peinlich, aber dieser Präsident ist eine direkte Beleidigung der Vernunft harte Nuss, für mich und für jeden anderen vernünftigen Menschen. Mir sind die Russen, sprich ihr Präsident und Ministerpräsident, auch wenn diese ebenfalls mit Vorsicht zu genießen sind, in der Abneigung dieser Beleidigung des Präsident Weißrusslands im Übrigen sympathisch.

Das einzig Gute an diesem Präsidenten ist doch, dass er so offensichtlich die Wahlen manipuliert, dass wir das gute EU-Geld, dass der polnische Außenminister so konkret bei freien Wahlen versprochen hat, in sinnvollere Projekte stecken können, als es bei diesem Verbrecher, Betrüger und Lügner weißrussischen Präsidenten zu belassen.

Mit dem Erhalt meines Passes bin ich registriertes Mitglied der weißrussischen Gesellschaft geworden. Das führt dazu, dass ich in den Genuss einiger Annehmlichkeiten des modernen Lebens kommen darf, wie z.B. mobiles Internet.

Am Montag ging es mit einem Bekannten (man will ja die sprachlich-kulturelle Barriere so klein wie möglich halten) zum nahe gelegenen MTC-Shop, um meinen bestehenden Mobilfunk-Vertrag auf Inländer-Niveau  anzupassen (Ausländer kriegen, wenn sie nicht registriert sind, einen extra Vertrag mit extra Konditionen – sind aber, zumindest meiner Ansicht nach, fair) und auch den Weg für mobiles Internet frei zu machen.

Zwar bietet MTC auch mobiles Internet per 3G an, aber irgendwie war es mir dann doch zu blöd 40€ für den dazugehörigen Dongel auszugeben und somit habe ich mich für die 500MB-Variante über GPRS entschieden.

Da ich mein USB-Telefon-Kabel (unter völlig falschen Prämissen) zu Hause liegen gelassen hatte, habe ich dann noch beim nahe gelegenen Mobilfunk-Dealer ein (chinesisches) Kabel für ‘nen Appel und ein Ei (3,50€) erstanden. Dieses Kabel offenbarte auch gleich beim ersten Einsatz grundlegende bauliche Mängel, die aber glücklicherweise reversibel sind und bisher zu keiner Beeinträchtigung der eigentlichen Funktion geführt haben.

Das schöne an der ganzen Geschichte ist, dass ich nun endlich keinen Universitäts-Proxy mitsamt dessen völlig restriktiver Konfiguration mehr zu beachten habe (mal ganz zu schweigen von dem IT-Personal, das sich erdreistet überhaupt die Ports zu sperren – ich habe dahingehend  eine Anfrage an meinen “Chef” laufen, sprich an den Professor meiner Arbeitsgruppe, ob sich an der Situation nichts ändern ließe; das letzte Wort ist noch nicht gesprochen…). Jetzt läuft endlich mein Instant Messenger und ich kann mich endlich mit dem TOR-Netzwerk verbinden. Für eine Runde skypen reicht das natürlich nicht, denn wie zu guten alten Zeiten darf man mit GPRS so manchen Klick auf einen Link wieder mit einem kräftigen Schluck aus der Kaffeetasse zelebrieren. Entschleunigen heißt das ja im Fachjargon und hat den Vorteil, dass die 500MB wohl nicht sobald aufgebraucht sein werden.

TOR habe ich dann auch gleich mal dazu genutzt mir die Seite von charter97.org anzuschauen. Die in meinem letzten Post unterstellte Klammerbeutel-These hat sich dabei zunächst nicht bestätigen lassen. Vielmehr ist es so, dass der offensichtliche Grund (wie immer) das fehlende Geld ist, weswegen die dringendsten Probleme nicht gelöst werden können. Daher bettelt bittet die weißrussische Administration nun bei den Chinesen (durch einen sogenannter Deal) und beim IMF um Geld.

Derweil probiere ich mich durch die Wursttheke des Supermarktes meines Vertrauens.

Na dann, приятного аппетита (guten Appetit) und пока!

In was für einem schönen Land ich gerade verweile, wurde mir erst gestern wieder nach einem Bericht des Medienmagazins Zapp in’s Bewusstsein gerufen.

Ich hatte meinen Studenten versprochen, wenn ich irgendetwas interessantes in den deutschen Medien über die Wahl in Weißrussland finde, sie darüber zu informieren. Nachdem ich nun den Bericht bei Zapp gesehen hatte, machte ich mich auf die Suche nach Artikeln in Zeitungen oder auf Internetseiten und wurde dann bei der taz sowie bei Telepolis fündig. Besonders der Artikel auf Telepolis berichtete ausführlich (auch wenn in einigen Details ungenau – es war wohl kein Wodka, sondern ein anderes Getränk was bei dem toten Oleg Bebenin gefunden wurde) über den Tod des Journalisten Oleg Bebenin und über die Beziehungen zwischen Russland und Weißrussland, um die es zur Zeit nicht gut bestellt ist.

Da ich den Artikel auf Telepolis wegen seiner Ausführlichkeit für die bessere Wahl hielt, bot ich nun meinen Studenten an, wenn denn Interesse bestehe, den Artikel nach der Vorlesung vorzutragen und ggf. die schwierigen Passagen zu übersetzen. Es fanden sich dann auch etwas mehr als eine Hand voll Interessenten ein und ich trug den Artikel im besten Hochdeutsch und langsam vor.

Aus dem danach folgenden Gespräch konnte ich zwei für mich wichtige Informationen entnehmen:

  1. Lukaschenko braucht sich als Präsident über Freikarten für die 2014 in Weißrussland stattfindende Hockeyweltmeisterschaft keine Sorgen zu machen und ist deswegen so versessen auf die Macht :-D,
  2. vor allem Ältere sind womöglich Lukaschenko positiv zugeneigt.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass der zweite Punkt womöglich stark subjektiv besetzt ist. In dem Telepolis-Artikel wird z.B. behauptet, dass der Präsident weiterhin hohe Popularität genießt. Worin die Begründung für diese Popularität liegt, wird leider nicht geklärt. Alle Personen, mit denen ich gesprochen hatte, äußerten sich bisher kritisch zum Zustand Weißrusslands oder sogar zum Präsidenten. Allerdings bewege ich mich auch eher in “akademischen” Kreisen, wie darüber der Bauer vom Lande, der Bauarbeiter oder die Putzfrau denkt, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.

Wer mehr über die Opposition in Weißrussland erfahren möchte, kann sich auf charter97.org informieren. Vielleicht kann mir auch jemand einen Screenshot schicken, denn leider ist die Seite von der Uni aus nicht zu erreichen. Das sind wohl die Auswirkungen der weißrussischen Internetzensur oder die Seite ist nach dem Tod Oleg Bebenins durch Dauerzugriff einfach überlastet. Ich tippe auf ersteres.

Im Übrigen habe ich nach ca. einem Monat meinen Reisepass von den Weißrussischen Behörden wieder zurückerhalten. Ich will gar nicht wissen, was die alles mit dem Pass angestellt haben, ich hoffe allerdings das die Bundesregierung und insbesondere Herr Dr. Schäuble recht behalten und der Ausweis nicht von unbefugten auszulesen ist (da sind ja meine halben Fingerabdrücke drauf – har har) und ich zähle die weißrussischen Behörden zu den Unbefugten!

Na dann, пока!

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