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Warum flieht das Thier, zittert und sucht sich zu verbergen? Weil es lauter Wille zum Leben, als solcher aber dem Tode verfallen ist und Zeit gewinnen möchte. Ebenso ist, von Natur, der Mensch.

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Bd 1, 4. Buch, Kapitel 41: Ueber den Tod und sein Verhältniß zur Unzerstörbarkeit unserens Wesens an sich.

Nun hat der Autor dieses Blogs die Zeit rund um den Tag der Deutschen Einheit dazu genutzt, höchst selbst die Geburtsstadt Arthur Schopenhauers zu besuchen, dass er darüber ganz den Kalender vergaß: Auch dafür möchte ich mich wiederum bei meinen verehrten Leserinnen und Lesern entschuldigen und liefere sofort, was ich vergessen:

Aber bei gewissen Worten, wie da sind Recht, Freiheit, das Gute, das Seyn… u.a.m. wird dem Deutschen ganz schwindlich, er geräth alsbald in eine Art Delirium und fängt an, sich in nichtssagenden, hochtrabenden Phrasen zu ergehn, indem er die weitesten, folglich hohlsten Begriffe künstlich aneinanderreiht; statt daß er die Realität in Auge fassen und die Dinge und Verhältnisse leibhaftig anschauen sollte, aus denen jene Begriffe abstrahiert sind und die folglich ihren alleinigen wahren Inhalt ausmachen.”

Arthur Schopenhauer. Parerga und Paralipomena. Bd. 2; Kapitel 9. Zur Rechtslehre und Politik

 

Nichts ist so unversöhnlich und so grausam wie der Neid: und doch sind wir unaufhörlich hauptsächlich bemüht Neid zu erregen!

Arthur Schopenhauer: Der Handschriftliche Nachlaß; Bd. 3; Brieftasche 1822/1823, Nr. 57

… ist auch der Anblick schöner Gegenstände, z.B., einer schönen Aussicht, ein Gehirnphänomen. …Demnach fällt gewiß das Bild der selben Aussicht in verschiedenen Köpfen, auch bei gleicher Schärfe ihrer Augen, so verschieden aus, wie etwan der erste und letzte Abdruck einer stark gebrauchten Kupferplatte. Hierauf beruht die große Verschiedenheit der Fähigkeit zum Genusse der schönen Natur…

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Bd. 2; Buch 1, Kap. 2: Zur Lehre von der anschauenden oder Verstandes-Erkenntniß.

Meine sehr verehrten Leserinnen und Leser, an dieser Stelle bitte ich Sie meine Verspätung zu entschuldigen und möchte auch gleich zum Punkt kommen:

Die ächte Güte der Gesinnung, die uneigennützige Tugend und der reine Edelmuth gehen also nicht von abstrakter Erkenntniß aus, aber doch von Erkenntniß: nämlich von einer unmittelbaren und intuitiven, die nicht wegzuräsonnieren und nicht anzuräsonnieren ist, von einer Erkenntniß, die eben weil sie nicht abstrakt ist, sich auch nicht mittheilen läßt, sondern Jedem selbst aufgehn muß, die daher ihren eigentlichen adäquaten Ausdruck nicht in Worten findet, sondern ganz allein in Thaten, im Handeln, im Lebenslauf des Menschen.

Arthur Schopenhauer, Der handschriftlichen Nachlaß. Bd. 1, Dresdner Manuskripte, 1814.

Zufällig bin ich auf einen offenen Brief von Oscar Levy aus dem Jahr 1938 gestoßen: Die Exkommunizierung Adolf Hitlers. Oskar Levy, der sich wohl große Verdienste um die Verbreitung des Werkes Nietzsches im anglikanischen Sprachraum erworben hat, bittet darin Adolf Hitler das Andenken Nietzsches zu würdigen, indem er sich bitte nicht auf Nietzsche beziehen möge. Weil mir dieser Brief in der Art der Formulierung so sehr gefallen hat, möchte ich ein kurzes Stück daraus an dieser Stelle zitieren (aus Seite 23-24 des oben verlinkten Buches):

Ja, Herr Hitler, Sie können alles Mögliche sein: Erlöser, Mörder,Volksredner, Schlafwandler oder alles vier auf einmal: Doch ich sage Ihnen, Sie sind es nicht einmal Wert, Nietzsche den Staub von den Schuhen zu wischen. Ihr “Deutschtum” ist das alte, falsche, volkstümliche Deutschtum – das 1918 geschlagen wurde -, das Deutschtum, das verurteilt wurde, nicht nur durch das Schwert, sondern auch durch die Feder aller großen Deutschen: Goethe, Heine, Hölderlin, Grillparzer, Schopenhauer, Burckhardt, Spitteler genauso wie von Nietzsche. Es ist das Deutschtum des Marktplatzes und der Massen, das Deutschtum der Lautsprecher und Flachdenker. Sie sind der Messias all dieser Armen, die durch Geburt und Bildung außerstande waren, sich zu entgermanisieren, was laut Nietzsche das Merkmal eines guten Deutschen ist. Einen guten Deutschen von heute muss es zutieft betrüben, Ihrer Nation anzugehören, und bestimmt wird er jedesmal rot, wenn er an der Grenze seinen Pass vorzeigt. Vom Nietzscheanischen Standpunkt betrachtet, sind Sie glatt weg ein schlechter Deutscher: Sie gehören nicht zur Welt des höheren Menschen, sondern zur Welt des Untermenschen. Denn so hoch wie der Himmel über der Erde, so hoch steht Nietzsches Denken über den besten Gedanken, die Sie je in Ihrem erleuchteten Kopf hegten.

Chapeau!

 

Wie die zerstäubenden Tropfen des tobenden Wasserfalls mit Blitesschnelle wechseln, während der Regenbogen, dessen Träger sie sind, in unbeweglicher Ruhe feststeht, ganz unberührt von jenem rastlosen Wechsel; so bleibt jede Idee, d.i. jede Gattung lebender Wesen, ganz unberührt vom fortwährenden Wechsel ihrer Individuen.

Artuhur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung; Band 2, Kapitel 41: Über den Tod uns sein Verhältniß zur Unzerstörbarkeit unseres Wesens an sich.

[…] Ist einer reich, jung, schön, geehrt; so frägt sichs, ob er dabei heiter ist; wenn man sein Glück beurtheilen will; umgekehrt aber ist er heiter, so ists einerlei ob er jung, alt, arm, reich sei: er ist glücklich. – Wir sollen daher der Heiterkeit Thür und Thor öffnen. Denn sie kommt nie zur unrechten Zeit…

Arthur Schopenhauer: Manuskript Quartant (1826) In: Arthur Schopenhauer: Der handschriftliche Nachlaß. Band III, S. 238 f.

Das Christenthum ist die Lehre von der tiefen Verschuldung des Menschengeschlechts durch sein Daseyn selbst und dem Drange des Herzens nach Erlösung daraus, welche jedoch nur durch die schwersten Opfer und durch die Verleugnung des eignen Selbst, also durch eine gänzliche Umkehrung der menschlichen Natur erlangt werden kann.

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Bd II; Viertes Buch, Kap. 48: Zur Lehre von der Verneinung des Willens zum Leben.

Nichts ist abgeschmakter als die Mährchen zu verlachen vom Faust und Andern die sich dem Teufel verschrieben. Das einzige Falsche an der Sache ist nämlich nur Dies, daß es vom Einzelnen erzählt wird, wir aber alle in dem Fall sind und das pactum geschlossen haben. Wir leben, streben entsetzlich das Leben (das doch nur eine lange Galgenfrist ist) uns zu erhalten, (wir füttern emsig den Deliquenten der doch hängen muß)…

Arthur Schopenhauers erster Eintrag in sein Manuskriptbuch nach seiner Ankunft in Dresden im Mai 1814

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