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Zufällig bin ich auf einen offenen Brief von Oscar Levy aus dem Jahr 1938 gestoßen: Die Exkommunizierung Adolf Hitlers. Oskar Levy, der sich wohl große Verdienste um die Verbreitung des Werkes Nietzsches im anglikanischen Sprachraum erworben hat, bittet darin Adolf Hitler das Andenken Nietzsches zu würdigen, indem er sich bitte nicht auf Nietzsche beziehen möge. Weil mir dieser Brief in der Art der Formulierung so sehr gefallen hat, möchte ich ein kurzes Stück daraus an dieser Stelle zitieren (aus Seite 23-24 des oben verlinkten Buches):

Ja, Herr Hitler, Sie können alles Mögliche sein: Erlöser, Mörder,Volksredner, Schlafwandler oder alles vier auf einmal: Doch ich sage Ihnen, Sie sind es nicht einmal Wert, Nietzsche den Staub von den Schuhen zu wischen. Ihr “Deutschtum” ist das alte, falsche, volkstümliche Deutschtum – das 1918 geschlagen wurde -, das Deutschtum, das verurteilt wurde, nicht nur durch das Schwert, sondern auch durch die Feder aller großen Deutschen: Goethe, Heine, Hölderlin, Grillparzer, Schopenhauer, Burckhardt, Spitteler genauso wie von Nietzsche. Es ist das Deutschtum des Marktplatzes und der Massen, das Deutschtum der Lautsprecher und Flachdenker. Sie sind der Messias all dieser Armen, die durch Geburt und Bildung außerstande waren, sich zu entgermanisieren, was laut Nietzsche das Merkmal eines guten Deutschen ist. Einen guten Deutschen von heute muss es zutieft betrüben, Ihrer Nation anzugehören, und bestimmt wird er jedesmal rot, wenn er an der Grenze seinen Pass vorzeigt. Vom Nietzscheanischen Standpunkt betrachtet, sind Sie glatt weg ein schlechter Deutscher: Sie gehören nicht zur Welt des höheren Menschen, sondern zur Welt des Untermenschen. Denn so hoch wie der Himmel über der Erde, so hoch steht Nietzsches Denken über den besten Gedanken, die Sie je in Ihrem erleuchteten Kopf hegten.

Chapeau!

 

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Wie die zerstäubenden Tropfen des tobenden Wasserfalls mit Blitesschnelle wechseln, während der Regenbogen, dessen Träger sie sind, in unbeweglicher Ruhe feststeht, ganz unberührt von jenem rastlosen Wechsel; so bleibt jede Idee, d.i. jede Gattung lebender Wesen, ganz unberührt vom fortwährenden Wechsel ihrer Individuen.

Artuhur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung; Band 2, Kapitel 41: Über den Tod uns sein Verhältniß zur Unzerstörbarkeit unseres Wesens an sich.

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