Es war mal wieder die Tagesschau, die mich auf ein Thema gelenkt hat, von dem ich zuvor nur die Meinung Dritter kannte. Heute hatte ich doch erst die Presseschau gehört, die ebenfalls das Thema aufgriff und die verschiedenen Meinung dazu zusammenfasste. Alles in Allem wollte sich die Mehrheit der Artikel (bzw. Journalisten) nicht mit der Form des Gedichts (oder Gedichtsform) ausseinandersetzen, aber wohl Kritik an dessen Inhalt äußern (obwohl ich das Gefühl hatte, dass die Form wohl niemanden so richtig gefiehl).

Allerdings ist mir nach dem Lesen des Inhalts des Gedichts nicht klar, warum Herr Grass diesbezüglich sogar als Antisemit beschimpft wird (denn so ist es ja wohl gemeint, als Beschimpfung)? Ich denke nicht, dass das Gedicht eine solche Interpretation hergiebt. Durch das Gedicht wird eine (streitbare) Meinung formuliert, die sehr gut diskutiert werden kann und nicht zum unbegründeten Hass und Mord an anderen aufruft (ich hatte beim Lesen sogar das Gefühl, dass der Autor sich persönlich, also aus der eigenen Geschichte heraus, eigentlich nicht in der Position sieht, (s)eine Meinung derart zu äußern – aber was kein anderer für einen erledigt…).

Eher bedenklich finde ich diejenige Kritik, die Grass als Förderer antisemitischer Tendenzen sieht und ihn deshalb in einer schwer nachvollziehbaren Intensität kritisiert. Es bleibt das schale Gefühl, dass einige das Bedürfnis hatten, einen Nobelpreisträger durch das Dorf zu jagen (ja, es ist auch richtig, der Nobelpreis ist kein Freifahrtsschein). Aber ist es nicht dieses blind und undifferenziert anmutende Drauflos-Kritisieren, das antisemitische Ressentiments stärkt?

Ich persönlich finde ja, dass das Gedicht nur einen wirklichen Haken hat: Es hat keinen Reim, was, bitteschön, ist denn ein Gedicht ohne Reim?! Künstlerische Freiheit etwa?! Immer dieser neumodische Scheiß; Ein Gedicht hat doch verdammt nochmal einen Reim, Kreuzreim, Paarreim, weiß der Teufel was, zu haben! Aber gut, vielleicht habe ich auch einfach keine Ahnung und der nächstbessere Germanistikstudent belehrt mich eines Bessseren.

Wie dem auch sei,
ich bleib’ dabei:
das Gedicht war nicht schlimm,
ich sehe kein Problem darin.