Der dritte Teil der Werksausgabe der Werke Ludwig Wittgensteins widmet sich den Gesprächen Wittgensteins mit Moritz Schlick und Friedrich Waismann. Schlick und Waismann ihrerseits sind Begründer bzw. Mitglied des Wiener Kreises, dessen Mitglieder den Logischen Empirismus diskutierten, der u.a. wohl auch von Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus beeinflusst wurde.

Wittgenstein setzt sich in den Gesprächen kritisch mit dem Tractatus auseinander, korrigiert auch einige im Tractatus formulierte Gedanken und wiederholt und präzisiert so manche Aussage. Zumindest hilft die Wiederholung der Gedanken Wittgensteins sich besser in sein Denken hineinzuversetzen: Der Tractatus allein für sich gestellt ist ganz schön schwere Kost, die weitere Beschäftigung mit Wittgenstein bzw. mit seinen Gedanken hilft aber, den Tractatus besser zu verstehen.

Darüber hinaus finden sich in den Gesprächen auch einige Aussagen über Ethik und Moral. So sagt Wittgenstein z.B.:

Der Mensch hat die Tendenz, gegen die Grenzen der Sprache anzurennen. Dieses Anrennen deutet auf die Ethik hin. Alles, was ich beschreibe, ist in der Welt. In der vollständigen Weltbeschreibung kommt niemals ein Satz der Ethik vor, auch wenn ich einen Mörder beschreibe. Das Ethische ist kein Sachverhalt.

Der letzte Satz bringt es bereits in der Sprache Wittgensteins auf den Punkt: Wir können die Ethik nicht beschreiben oder nichts über die Ethik aussagen, da etwas Ethisches nicht in der Welt vorkommt. Oder anders gesagt: Was Gut oder was Böse ist, ist eine Frage der Definition und kann nicht logisch geschlossen oder aus der Welt selbst ergründet werden, denn die Welt kennt kein Gut oder Böse.

Als Definitionen des Ethischen würde ich z.B. die 10 Gebote bzw. den Kategorischen Imperativ annehmen. Die 10 Gebote und der Kategorische Imperativ sagen was man tun oder lassen soll, um ethisch zu handeln. Zum Soll sagt Wittgenstein:

Was heißt das Wort »soll«? Ein Kind soll das tun, heißt: wenn es das nicht tut, dann wird das und das Unangenehme eintreten. Lohn und Strafe. Das Wesentliche daran ist: der andere wird bewogen, etwas zu tun. Ein Soll hat also nur Sinn, wenn hinter dem Soll etwas steht, das ihm Nachdruck gibt – eine Macht, die straft und belohnt. Ein Soll an sich ist unsinnig.

In Anspielung auf Schopenhauers “Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer” sagt Wittgenstein schließlich:

Moral predigen ist schwer, Moral begründen unmöglich.

(Wobei ich persönlich finde, dass Schopenhauer die Begründung der Moral schon ziemlich gut hingekriegt hat.🙂 )