Heute in der Straßenbahn habe ich die Lektüre des ersten Bandes der Werksausgabe Wittgensteins beendet. Ich muss gestehen, die Lektüre war stellenweise zäh, aber alles zu seiner Zeit.

Über den Tractatus, der den ersten Teil des ersten Bandes bildet, hatte ich bereits an anderer Stelle berichtet. Dn zweiten Teil bilden die Tagebücher des L.W., die er wohl während seines Dienstes in der Armee verfasst hat und die schon viele, auch wesentliche und konkrete Gedanken des Tractatus enthalten. Den dritten und letzten Teil bilden die philosophischen Untersuchungen.

Die Philosophischen Untersuchungen bilden den wohl langwierigsten Teil des ersten Bandes. Wittgenstein führt zunächst die Idee des Sprachspiels ein, mit dem Wittgenstein vereinfacht Kommunikationsvorgänge beschreibt. Solche Sprachspiele haben z.B. die folgende Form: Der A gibt dem B ein Kommando, woraufhin der B dem A einen dem Kommando entsprechenden Baustein reicht. An diesen simplen und daher auch leicht verständlichen Beispielen entzünden sich aber dann Fragen grundsätzlicher Natur; wann hat B gelernt, den passenden Baustein zum vom A gegebenen Kommando zu reichen bzw. wann können wir sicher gehen, dass B zu jedem von A gegebenen Kommando den richtigen Baustein reichen wird? Oder noch grundsätzlicher: Hat B die gleiche Vorstellung wie A zu einem gegebenen Kommando, sprich, versteht B ein Kommando so wie A es versteht?

Solche und ähnliche Fragen ziehen sich dann bis zum Schluss, eine Antwort auf die Fragen bleibt L.W. schuldig, aber ich denke, dass darin bereits die Antwort liegt: eine Unzahl an Konventionen begleiten unsere Kommunikation und diese Konventionen tragen eine Vielzahl von Annahmen in sich, die wir wohl nie bis zur völligen Befriedigung begründen werden können. Wer kann schon mit völliger Sicherheit sagen, dass sein Gegenüber die Welt genauso sieht wie man selbst?