Als ich Schopenhauer las, entwickelte ich irgendwann eine Vorstellung von dem, was Schopenhauer meinen könnte, indem ich es mit mir Bekanntem verglich. Dadurch entstand ein Bild im Kopf, dass es mir erleichterte den Ausführungen zu folgen und daraus einen Sinn für mich zu schließen. Zugegebenermaßen erleichtert Schopenhauer den Zugang zu seinem Werk durch allerlei Beispiele und Vergleiche.

Als ich nun die 85 Seiten des Tractatus Wittgenstein’s las, konnte sich eine Vorstellung nur in Ansätzen aufbauen. Einige Aussagen sind derart nachvollziehbar, dass sie keine besondere Anstrengung voraussetzen, um sie nachvollziehen zu können. Z.B. schreibt Wittgenstein, dass die Welt aus Sachverhalten bestehe und nicht aus Dingen. Ein Sachverhalt stelle dabei eine Verbindung zwischen Dingen dar. So wie ich das verstehe, könnte man dafür folgendes Beispiel geben: Ich fasse nicht Baum und Hinterhof auf, sondern die Beziehung Der Baum steht im Hinterhof. Selbst wenn man nicht derselben Meinung ist (Welt aus Sachverhalten), so ist es zumindest nachvollziehbar.

Bei der Erklärung von sinnvollen, sinnlosen und unsinnigen Sätzen wird es dann schon verzwickt. Ein sinnvoller Satz wäre Der Baum ist gelb, denn dieser Satz bildet einen Sachverhalt der Welt ab, egal ob der Satz nun wahr oder falsch ist. Ein sinnloser Satz ist Ich gehe mit meinen Füßen, denn er ist immer wahr (Tautologie). Soweit so gut, aber bei unsinnigen Sätzen wird es nun problematisch. Wenn ich den Tractatus richtig verstanden habe, dann könnte folgender Satz (in Anlehnung an Schopenhauer) unsinnig sein: Ich kann wollen was ich will Unsinnig ist der Satz deshalb, weil es nichts gibt, was dem Satz entspricht oder anders gesagt, der Satz bildet keinen Sachverhalt der Welt ab. Im Gegensatz dazu bildet der Satz Der Baum ist gelb einen Sachverhalt der Welt ab. Das Verzwickte an dieser Satzeinteilung ist nun, das Wittgenstein nun konsequenterweise auch die Aussagen aus dem Tractatus als “Unsinnig” bezeichnet, denn auch diese bilden keine Sachverhalte der Welt ab.

Mal sehen, ob ich den Tractatus nicht nochmal lese. Vielleicht entsteht dann auch eine vollständigere Vorstellung von dem dort geschriebenen.🙂