Gestern nun war ich womöglich das letzte Mal vor meiner Abreise im großen Theater (und großen Oper und großem Ballett) der Republik Weißrussland (keine Ahnung, wie man den Namen ordentlich in’s Deutsche übersetzen soll) und habe der Aufführung der Oper Carmen beigewohnt.

Diesmal saß ich mit meiner Begleitung nicht in der untersten Etage, sondern in der dritten, auf dem Balkon, in der letzten Reihe. Dazu kann ich nur sagen, dass in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts (die Oper wurde dann 1933 eröffnet) ergonomische Gesichtspunkte, zumindest für den Balkon keine Rolle gespielt haben. Es war schon ein hartes Stück Arbeit von dort oben dem Verlauf der Oper auf der Bühne zu folgen. So ziemlich unmöglich war es denn auch für meine Begleitung der russischen Übersetzung zu folgen, die am unteren Bühnenrand in roter Laufschrift angezeigt wurde.

Carmen ist bisher die längste Oper, die ich gesehen habe. Über vier Akte (ich war gegen 23 Uhr zu Hause – Beginn war 19 Uhr – es gab 2 Pausen) wurde die Geschichte einer heißblütigen Spanierin (Carmen) erzählt, die am Ende von einem ihrer Liebhaber aus Eifersucht getötet wird. Auf der Bühne standen dazu 2 fahrbare Dekorationselemente, die einerseits die Ansicht einer spanischen Stadt (ich tippe 17. oder 18. Jahrhundert) darstellten und auf der anderen Seite Stufen besaßen, auf den sich die Sänger einem Chor ähnlich positionieren konnten. Kurz vor Schluss sollen die Elemente während der Aufführung gedreht werden, doch dabei klemmt doch tatsächlich eines dieser Elemente, so dass es sich nicht fortbewegen lassen will?! Aber das Problem haben die Schauspieler auf der Bühne ohne viel Aufhebens mit etwas Unterstützung akkurat gelöst. Wenn man die Herrschaften nicht gesehen hätte, wie sie sich an dem Bühnenelement zu schaffen machen, hätte man gar nicht bemerkt, dass da gerade etwas nicht so ganz nach Plan läuft.

Ein Nachteil der oberen Etage ist natürlich, dass sich aufgrund des geringen Preises dort der Pöbel (nicht alle – einige) besonders gerne breit macht, um den Eindruck von Kunst-Affinität zu erwecken. Schnell hat sich der Schein aber gelöst, als dann die ersten Mobiltelefone ihr eigenes Konzert anstimmten. Also einige kriegen das einfach nicht gesch***en ihre sch**ß Mobiltelefone auszuschalten! Die Frau neben mir hat es genau einmal geschafft aufzustehen, ohne dabei ihren Sitz zurück schnellen und lautstark gegen die Rückenlehne knallen zu lassen (nachvollziehen kann ich schon, dass sie aufgestanden ist, da man dann einen weitaus besseren Blick auf Bühne hat).

Von einigen im Publikum und von den äußerst gewöhnungsbedürftigen Sitzplätzen abgesehen, war die Oper sehr schön. Ich persönlich denke (vermute) auch, dass Kunst (sei es die Oper, oder auch das andere Theater, dass ich besucht hatte) das einzige aus Weißrussland ist, dass sich im internationalen Vergleich wirklich sehen lassen kann.

пока!