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Seit 2-3 Tagen ist nun auch der Winter in Weißrussland mit Schnee, Wind und den entsprechenden Temperaturen (aktuell — 14:37 Ortszeit — -12 °C) eingekehrt. Insbesondere gestern zog es besonders um eine Ohren, so dass ich bald bemerkte, dass es an der Zeit wäre ein altes Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen.

Bevor ich darauf zu sprechen komme, möchte ich noch kurz darauf hinweisen, dass ich von einigen Weißrussen aufgrund meiner im Vergleich dünneren Jacke belächelt wurde. Ich darf entgegen, dass es mir mit der Jacke ausgezeichnet geht und dass sie bisher allen Anforderungen gerecht wird (heute hätte ich doch bei einem kleinen ruhigen Spaziergang beinahe unter der Jacke geschwitzt!). Ab und zu lohnt es sich eben in akkurates Material zu investieren und nicht immer das billigste zu kaufen!

So, weiter im Text. Da ich ohne geeignete Kopfbedeckung nach Weißrussland gereist bin, wurde es schnell zügig und so ging ich heute nachdem ich meine Wäsche gewaschen hatte eine Mütze oder шапка kaufen.

Nachdem ich herausgefunden hatte, welchen Umfang mein Kopf besitzt, blieb mir nicht mehr viel Auswahl und so konnte ich ohne quälende Fragen über mögliche Farbkombinationen zu folgendem Modell greifen:

Das Modell ist aus dem Hause Людмила (Ludmilla) und aus 100 % Polyester (oder was auch immer ПАН heißen mag). Als weitere nützliche Spezialität sind die eingebauten Ohrwärmer zu nennen. Nach einer kurzen Umwandlung der шапка stehen diese sofort bereit.

Eine ganz feine Erfindung so eine шапка. Ich kann sie wärmstes empfehlen. 😀

Letztes Wochenende war ich zweimal hintereinander im Граффити паб-клуб (Graffiti Pub-Club), der eigentlich nur aus einem großen Raum mit Bar, u.U. kleiner Tanzfläche und genau so kleiner Bühne besteht. An den Wänden gibt es stilecht Graffitis zu bewundern, denen der Club seinen Namen verdankt. Der Club ist so klein, dass man für jede Veranstaltung Karten benötigt.

Am Samstag stiegen wir zunächst mit der Drink ‘n’ Dance Party ein. Die Tische waren auf ein Minimum reduziert, so dass genügend Fläche zum Tanzen frei blieb. Genügend ist dabei schon etwas übertrieben, denn die Tanzfläche war vielleicht 4 x 6 Meter groß. Da wurde es dann schnell sehr eng. An eine Wand wurden alte russische Filme und auch neueres Filmmaterial projiziert. Während dessen versuchten die DJs das Publikum mit einem Mix aus elektronisches und klassischem (im Sinne von Pop und Rock) in Stimmung zu bringen. Das gelang auch manchmal ganz gut, aber scheiterte dann doch wieder an den DJs selbst, als die Herrschaften sich dann selbst mehr gefeiert haben, als mal ordentliche Musik aufzulegen. Na gut, war trotzdem ein gelungener Abend, da die Aussetzer bei der Musikwahl verschmerzbar waren. Um 2 war dann die Party vorbei.

Am darauf folgenden Tag ging es nicht “erst” um 23 Uhr zum Club, sondern schon zu 19 Uhr. Diesmal waren mehr Tische aufgestellt, denn wir hatten ja auch diesmal Platzkarten. Es war also kein Platz mehr zum Tanzen vorhanden. Was ich an diesem Abend hören sollte war bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar und so machte ich mich ohne größere Erwartungen daran, den 4 Jungs auf der Bühne meine Aufmerksamkeit zu schenken. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, handelt es sich bei der Band um Нагуал (Nagual) aus Weißrussland, die aber wohl schon das eine oder andere Konzert in Deutschland gespielt hatten.

Schon wenige Minuten nachdem ich die ersten Töne der Band vernommen hatte, beschlich mich leise Wehmut ob der verloren gegangenen Tanzmöglichkeit. Die Musik erinnert stark an Ska von der Tanzbarkeit her, besitzt aber genug eigene Einflüsse. Um es kurz zu machen, die Musik hat mir sehr gut gefallen und so habe ich auch gleich eine CD erstanden.

Danach ging es dann auch nach Hause.

Wie ich angekündigt hatte, habe ich eine Mail an unsere Auslandsvertretung gesandt, um auf einige der Probleme hinzuweisen, die sich beim Versuch des Erwerbs eines warmen Kaffees für mich aufgetan hatten.

Nun kam die Antwort (Text vollständig im Original – außer Anrede):

(Anrede),

vielen Dank für Ihre Mail und die darin gemachten Hinweise.

Es tut mir sehr leid, dass Sie am Freitag wegen Ihres Anliegens keinen Zutritt zur Botschaft erhielten und möchte Sie höflichst um Entschuldigung bitten.

Ich habe Ihre Mail zum Anlass genommen habe, mit dem Sicherheitspersonal der Botschaft zu sprechen und hoffe, dass die von Ihnen zurecht kritisierten Umstände nicht wieder vorkommen.

Gleichzeitig bitte ich für zukünftige Besuche um Beachtung der räumlichen Trennung der Rechts- und Konsularabteilung von der Botschaft und empfehle darüber hinaus eine vorherige telefonische Kontaktaufnahme, so dass Ihre Fragen ggf. sogar telefonisch beantwortet werden können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Gern geschehen! 🙂

Also, vorher mal in der Botschaft anrufen, eine schöne schwierige Frage stellen, die die persönliche Anwesenheit des Fragestellers erfordert und DANN den Kaffee abstauben. 😉

Momentan sollen die Studenten in der Übung zur Vorlesung ein Projekt bearbeiten. Neben den üblichen technischen Vorgaben gab ich auch einige Restriktionen bzgl. der Verhaltensweise während des Projekts vor, um auch die sog. Soft Skills der Studenten zu fordern und damit zu fördern. Genauer gesagt, habe ich allen Studenten jegliche Verwendung der russischen Sprache (bis auf eine Ausnahme) während des Projekts verboten. Erlaubt sind nur Englisch und natürlich Deutsch während des Projekts. Die Hoffnung ist, dass die Studenten lernen die jeweilige Fremdsprache problembezogen und frei anzuwenden.

Gestern nun nahm einer der Studenten während des Projekts ein Telefongespräch an (ist nicht verboten) und fing an munter auf Russisch drauflos zu plappern. Mehr im Scherz tippte ich auf seine Schulter und meinte zu ihm, er solle doch bitte Englisch oder Deutsch sprechen, worauf er etwas überrascht, aber zur großen Erheiterung aller, sofort mit den Worten “Ich muss Deutsch sprechen!” die Sprache wechselte. 😀 Das war auch deshalb erstaunlich, weil sein gegenüber ihn scheinbar ohne weitere Probleme verstehen konnte und das Gespräch dann auch noch 2-3 Minuten aufrecht gehalten wurde.

Ganz hervorragende Truppe! 😎

Heute habe ich die Gelegenheit genutzt, um die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik Deutschland hier in Minsk zu besuchen.

Man hat ja so seine Vorstellungen, wenn man daran denkt, die diplomatische Vertretung der eigenen Nation in einem fremden Land zu besuchen… ‘ne Tasse Kaffee oder so (ja, so banal können Gedanken manchmal sein…). So ging ich denn zur Botschaft, im festen Glauben, dass wenn ich innerhalb der angegebenen Besuchszeiten dort eintreffen werde, ich schon meinen Kaffee bekommen würde.

Aber zunächst stand ich vor einem verschlossenen Tor. Vor mir, mit Kameras bewährt, die deutsche Botschaft und eine Klingel. So klingelte ich denn und ein weißrussische Mitarbeiter (hört man halt am Akzent) mit akkuraten Deutschkenntnissen antwortete mir und fragte mich, was ich denn wolle. So gab ich meine Frage durch, in der Hoffnung, dass mir danach auch mal die Tür geöffnet werde, aber nix da, ich solle bitte warten.

In der Zwischenzeit kam noch ein Weißrusse und fragte wegen irgendwelcher Dokumente (das Wort Документ für Dokument ist eines der Worte, die man auf Anhieb versteht), aber der durfte noch nicht einmal draußen in der Kälte warten, sondern musste gleich abziehen.

Ich war dann doch leicht säuerlich, dass ich draußen in der Kälte warten musste, immerhin bin ich Deutscher Steuerzahler (“Ich bin Deutscher Steuerzahler, ich will meinen sch**ß Kaffee und zwar SOFORT!!!” – habe ich natürlich nicht gesagt oder durch die Sprechanlage geschrien, denn immerhin ist man deutscher Staatsbürger… jahrhundertelanges Untertanentum gegenüber Obrigkeit und Administration legt man nicht von jetzt auf gleich ab ;-)).

Nach 5 Minuten kam der gute Mitarbeiter dann raus (mit der erwarteten, aber unerwünschten Antwort). Natürlich fragte ich ihn, ob es denn üblich wäre, die Leute so an der Tür abzufertigen, immerhin wären doch Besuchszeiten angegeben, worauf ich mit dem Finger auf das Schild zeigte, das neben dem Eingang hing. Darauf meinte er, das Schild wäre noch ein Relikt aus sowjetischer Zeit (un-glaub-lich :-D) und es wäre nun üblich sich vorher anzumelden (Anmerkung: Sowjetische Zeit? Bis auf die paar Jahre zwischen Zerfall der Sowjetunion und der Machtübernahme Lukaschenkos gab es doch hier seit fast einem Jahrhundert nichts anderes als die Sowjetische Zeit). Ich machte ihn dann (an dieser Stelle möchte ich anmerken, dass der Mitarbeiter äußerst höflich war und es ein Vergnügen war – bis auf das Tor zwischen uns – mit ihm zu reden) darauf Aufmerksam, dass die Besuchszeiten auch so im Internet angegeben sind (und die Homepage wird wohl kaum aus der Sowjetischen Zeit stammen) und dass man die dann doch bitte dort ändern möchte. Wir verabschiedeten uns und jeder ging seiner Wege… ich habe noch nicht einmal deutsches Staatsgebiet in Minsk betreten… .

Ich denke, da ist noch eine Mail fällig… .

Gestern habe ich mir nochmal einen Ruck gegeben und habe versucht in der nahe gelegenen Videothek einen Film mit englischer Tonspur zu auszuleihen. Wir drei (die beiden Angestellten und ich) wussten gleich, dass es spannend werden würde, denn wir hatten alle 3 das Grinsen der Gewissheit auf dem Gesicht, ob der Prozedur die nun folgen würde.

Ich ging gleich einen Raum weiter, da ich im ersten Raum das letzte Mal nur Nieten (Filme ohne englische Tonspur) gezogen hatte. Ich zog gleich 3 Filme aus dem Regal, sollte sich die Prozedur doch wieder als schwierig erweisen. Doch gleich der erste Film war ein Volltreffer, K-19: The Widowmaker wurde also der Film des Abends. Aber zunächst musste ich bezahlen. Ich bin davon ausgegangen, dass ich den Film ausleihe, tatsächlich habe ich den Film aber dann gekauft, wieso weiß ich nicht. Ich wollte auch nicht fragen, da ich wahrscheinlich die Antwort sowieso nicht verstanden hätte. So zog ich also mit meinem neu erworbenen 0,75 € Film nach Hause.

Nach dem Abendbrot stellte ich zunächst die Standardkonfiguration wieder her, sprich сметана plus Chips. Dann ging es an den Film über das erste russische Atom-U-Boot mit ballistischen Waffen K-19. Die Geschichte ist relativ schnell erzählt. Die Sowjets schustern ein Atom-U-Boot mit ballistischen Waffen zusammen, um so die gegenseitige Abschreckung aufrecht zu erhalten. Das Boot muss trotz vieler technischer Mängel und Unfälle beim Bau auslaufen. Auf der Jungfernfahrt kommt es dabei zu einem Reaktorunfall bei der eine Kernschmelze droht. Der Film basiert auf einer waren Begebenheit, ist aber, wie man Wikipedia entnehmen kann, an einigen Stellen ausgeschmückt und verändert worden.

Für 75 Eurocent jedenfalls kein schlechter (ungewollter) Kauf.

 

So oder so ähnlich könnte vielleicht der Spruch auf dem Belarussischen Staatlichen Museum des Großen Vaterländischen Krieges (белорусскй государственный музей истории великой отечественной воины) übersetzt werden, das ich letzte Woche besucht hatte.

Belarussischen Staatlichen Museum des Großen Vaterländischen Krieges

Ein paar meiner Studenten haben mich als Dolmetscher begleitet und standen mir auch als Übersetzer zur Seite. Die Ausstellung ist in kleine Abschnitte unterteilt, die jeweils einen anderen Aspekt des 2. Weltkrieges betrachten. Man findet sehr viel Kopien der Originale, so dass ich zumindest die Einleitung zum Armeebefehl für die Operation Barbarossa und einige andere Materialien selbstständig lesen konnte (Im übrigen habe ich keine Fotos aus dem Museum – ich war knauserig und wollte die 0,20 € zusätzlich nicht zahlen :-D).

Das Museum war überreichlich mit sowjetischen Propagandamaterial gefüllt, was wohl aber nicht allein der Aufklärung dient. Laut einiger Aussagen, hat man das Museum quasi unverändert aus der sowjetischen Zeit in den Postkommunismus übernommen, ohne an der bestehenden Ausstellung viel zu ändern. Dazu passt auch ganz aktuell ein Foto, dass ich an dieser Stelle mit einschieben möchte. Man hat dem Lenin, damit es ihm auch ein wenig heimelig wird, einen Weihnachtsbaum vor die Nase gepflanzt, richtig stilecht, mit einem roten! Stern auf der Spitze (ob er sich darüber freuen würde, mag bezweifelt werden). Kleiner Hinweis: Lenin ist rechts auf der halben Höhe des Baumes zu sehen. Wenn die Weißrussen eins in den letzten Jahren geschafft haben, dann ist es das Alte mit dem Alten in vorzüglicher Weise zu verbinden (ob sie es nun so gewollt haben oder nicht) – meine Hochachtung!

Was uns an dem Museum dann doch überrascht hat (sowohl meine Studenten als auch mich), dass wir dort eine Kleine unscheinbare Ausstellung von Plakaten gegen die Todesstrafe, die es in Weißrussland immer noch gibt, gefunden haben. Ich vermutete, dass die Administration wohl gar nicht wissen könne, was für Plakate da hängen, da ja alle Plakate auf Englisch sind! 😀

Außerdem wurden in der letzten Woche die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Dezember im Palast der Republik (joa, heißt hier auch so…) zugelassen. Die Kulisse dazu sah womöglich in etwa so aus:

Oder, wenn die Herrschaften auf einen anderen Bereich des selben Platzes geschaut haben, so:

Diese Bilder habe ich aufgenommen, bevor ich in’s Museum gegangen bin (ja, ich war mal wieder zu früh).  Also, ich darf die Steuerzahler in Europa beruhigen, es wird nur der Junior Eurovision Song Contest bezahlt, zusätzliche finanzielle Hilfen für Weißrussland müssen aufgrund des fehlenden Wahlkampfes nicht geleistet werden.

Aber was habe ich da heute noch entdeckt; eine von den unzähligen Werbewänden verkündet die anstehende Wahl:

Auf dem Plakat steht zunächst links, dass am 19 Dezember die Wahl des Präsidenten Weißrusslands stattfindet. Am unteren Rand steht Der Sieg liegt in unseren Händen! (Победа в наших руках!) und auf dem T-Shirt Der Sieg liegt in unserem Herzen! (Победа в наших сердцах!). So langsam scheint sich der Verdacht übermäßigen Drogenkonsums doch zur Gewissheit zu erhärten. Was soll das auf dem Plakat denn bitteschön heißen oder bedeuten?!!!

Im Übrigen hat sich das Erlernen des russischen Tastaturlayouts als vorteilhaft herausgestellt. Nun kann ich die ganzen russischen Texte bei Google eintippen, wo mir dann eine Übersetzung zur Verfügung steht. Gut, das eintippen dauert natürlich noch seine Zeit, muss ich doch oft noch ein wenig nachdenken, welchen Finger ich als nächstes zu bewegen habe. Aber die Buchstaben des kyrillischen Alphabets habe ich schon raus, so dass ich im Zehnfingersystem schreiben kann. 😎

До свидания!

Ich denke alle Goethe-Institute bieten diesen Service, aber vom Institut hier in Minsk weiß ich es nun genau. Heute Morgen war ich nun im Goethe-Institut, um eine paar Zeitungen aus der Heimat auszuleihen, die ich meinen Studenten als Lesematerial empfehlen kann. Zunächst musste ich natürlich etwas warten, ich war ja zu früh.

Als die Zeit ran war, betrat ich die Bibliothek, fragte höflich, ob man denn hier Deutsch spreche (rein rhetorisch) und ging dann auf meine Suche nach den Zeitungen ein. Darauf wurde ich mit der Frage konfrontiert, was ich denn mit Zeitungen meine. Ich wusste keine bessere Antwort auf diese Frage, die so oder so ähnlich gestellt wurde, als mit “газета?” (russisch für Zeitung) zu antworten. Die eigentliche Intention der Frage bestand aber darin zu erfahren, was ich denn mit den Zeitungen wolle. Lesen, was sonst… .

Nun kam mir die fragende Person sowieso etwas reserviert vor, vielleicht wurde meine eingangs aus Höflichkeit gestellte Frage nach der bevorzugten Sprache ungünstig interpretiert, jedenfalls half mir dann eine andere Personen mit den Zeitungen tatkräftig weiter. Mir wurde erläutert, das aktuelle Exemplare in der Bibliothek zu lesen sind, was durchaus verständlich ist, denn es gibt jeweils nur ein Exemplar einer Ausgabe und da möchte ja jeder mal lesen. Ältere Exemplare können aber mit nach Hause genommen werden. So wurden mir gleich mehrere Zeitungen in die Hand gedrückt, die ich dann an meine Studenten weitergeben werde.

Alles in allem muss ich doch sagen, ist das Goethe-Institut doch eine wunderbare Einrichtung. Umso unverständlicher ist es, dass der aktuelle Außenminister Geldmittel für das Institut streichen möchte. Besonders in der aktuellen Debatte um ausländische Fachkräfte, scheint mir die Streichung von Geldmitteln äußerst fraglich. Denn es muss doch davon ausgegangen werden, das Bewerber mit Deutschkenntnissen bevorzugt angestellt werden würden. Warum den potenziellen Bewerbern dann die Möglichkeit rauben?

Am Dienstag müsste es gewesen, da wurde ich Zeuge einer Brandschutzübung hier an der Staatlichen Weißrussischen Universität, die mir ziemlich unnütz vorkam.

Irgendwann vormittags fingen die Alarmglocken an, schrill die Brandschutzübung einzuleiten. Die Sekretärin des Instituts machte mir klar, dass es nun Zeit wäre, die Räumlichkeiten zu verlassen und dass es etwa 20 Minuten dauern würde, bis der ganze Spaß vorbei sei. So verließen wir gemeinsam die Universität, gingen in’s nah gelegene Einkaufszentrum, wo sich unsere Wege trennten; sie erledigte ihre Einkäufe und ich holte mir einen Kaffee.

Das dauerte vielleicht 5 Minuten, dann stand ich wieder vor dem Universitätsgebäude, das die ersten Studenten schon wieder betraten. Nach einem kurzen Moment des Zögerns schloss ich mich der Rückwärtsbewegung an und saß nach insgesamt etwa 10 Minuten wieder auf meinem Platz.

Ich persönlich weiß nicht, wozu ich überhaupt aufgestanden bin. Den Alarm nimmt hier sonst sowieso keiner mehr ernst, weil der auch einfach mal nur so anschlägt, ohne Grund.

Na ja, so gab es etwas Abwechslung und ich war an der frischen Luft.

Heute habe ich mich nochmal mit meinem Russisch-Lehrer über Russisch als zweite Amtssprache unterhalten. Seine Meinung dazu ist äußerst interessant und daher möchte ich sie hier wiedergeben.

Er sagt nun also, dass die meisten Leute in Weißrussland Russisch sprechen wollen. Das kommt daher, dass nach dem Zweiten Weltkrieg viele Russen nach Weißrussland gekommen sind um das Land wieder mit aufzubauen und die dann auch an der Universität lehrten u.s.w.Viele Weißrussen hatten außerdem in der Roten Armee gedient, wo sie dann auch nur Russisch sprachen.

Zusätzlich dazu ermöglicht die Kenntnis der russischen Sprache den Weißrussen heute wie damals den Zugang zu einer Vielzahl an russischer Literatur bzw. zu der in’s Russische übersetzten ausländischen Literatur.

Er hat aber eindeutig festgestellt, dass die Kenntnis beider Sprachen wichtig ist, denn wie sagte er so schön, weißrussische Literatur liest sich nicht gut in der russischen Übersetzung. 😀

Wie man sieht, ein recht pragmatischer Ansatz. Es haben sich halt beide Sprachen etabliert und so bestehen halt auch beide Sprachen offiziell nebeneinander.

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