Am Freitagabend war es dann endlich soweit, ich besuchte mit meiner Freundin mein erstes Ballett überhaupt. Giselle wurde aufgeführt und trotz meiner Unkenntnis des Hintergrunds sowie meiner Unfähigkeit das Programmheft zu lesen, konnte ich dem Ballett und der dargestellten Geschichte folgen. Für die hervorragende Darbietung (soweit ich das in der Lage bin zu beurteilen) gab es dann auch stehende Ovationen.

Interessant war das Verhalten der Tänzerin und des Tänzers beim Bauern-Pas-de-deux, denn ich hatte das Gefühl, das Tänzerin/Tänzer den Applaus geradezu einforderten. Die sind quasi nicht früher von der Bühne gegangen, bis das Applausometer den gewünschten Wert erreicht hatte. Von der Bühne gehen bedeutet in diesem Fall, dass Tänzerin und Tänzer abwechselnd auf der Bühne standen, bis dann der gewünschte Applaus erreicht wurde.

Welche Mühen Ballett körperlich bedeutet, konnte sehr eindrucksvoll an den muskulösen Oberschenkeln der Männer beobachtet werden. Für einen kurzen Moment dachte ich doch, die Tänzer würden ihre Muskeln aber kräftig anspannen, bis ich bemerkte, dass “Anspannung” den Dauerzustand beschreibt.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass mein Ballett-Besuch kein ungetrübter Genuss war. Wie zu allem Kunstvollem und Schönen gesellte sich denn auch zum Ballett das Mittelmaß und das Rohe hinzu, um im Glanz der Darbietung zu verweilen… und sie zu stören! Nicht nur, dass es einige nicht pünktlich von ihrem Champagner oder wer weiß was in den Saal geschafft haben, nein, es musste auch noch durch Geschwätz begleitet werden. Das wäre so nicht weiter schlimm, wäre es dabei geblieben. Aber einige andere Verstanden es offenbar nicht, dass man das Handy während einer solchen Darbietung auszuschalten hat! Ganze drei Mal bimmelte irgendein beschissenes Handy in dem Saal (einmal auch nur zwei Plätze weiter von mir – man hab’ ich mich erschrocken)! Welches Geistes Kind die Störenfriede waren, konnte man dann gleich an der Art des Klingeltons erkennen, denn da war kein einziges klassisches Stück drunter (gut, habe ich auch nicht, aber ich schalte wenigstens mein Handy aus), sondern abgeschmacktes aus den Charts und den (schlechten) Clubs! Das Verbot Fotos zu schießen haben auch einige nicht verstanden, die dann kurzzeitig den Saal in gleißendes Licht tauchten. Von der Flachpfeife hinter mir will ich mal gar nicht sprechen, der meinte, die ganze Zeit mit seinem Schlüssel rumspielen zu müssen (der dann auch einmal laut auf den Boden schlug). Gestern habe ich dann gleich einen Freund gefragt, ob denn ein solches ungebührliches Verhalten in der Oper normal sei. Er sagte, das wäre das “Kultur-Niveau”. Er findet das auch nicht gut, aber einige haben da eben kein Unrechtsbewusstsein. Na ja, da freue ich mich ja schon auf meinen nächsten Besuch (Karten sind schon gekauft)… .

за наше здоровье!