In was für einem schönen Land ich gerade verweile, wurde mir erst gestern wieder nach einem Bericht des Medienmagazins Zapp in’s Bewusstsein gerufen.

Ich hatte meinen Studenten versprochen, wenn ich irgendetwas interessantes in den deutschen Medien über die Wahl in Weißrussland finde, sie darüber zu informieren. Nachdem ich nun den Bericht bei Zapp gesehen hatte, machte ich mich auf die Suche nach Artikeln in Zeitungen oder auf Internetseiten und wurde dann bei der taz sowie bei Telepolis fündig. Besonders der Artikel auf Telepolis berichtete ausführlich (auch wenn in einigen Details ungenau – es war wohl kein Wodka, sondern ein anderes Getränk was bei dem toten Oleg Bebenin gefunden wurde) über den Tod des Journalisten Oleg Bebenin und über die Beziehungen zwischen Russland und Weißrussland, um die es zur Zeit nicht gut bestellt ist.

Da ich den Artikel auf Telepolis wegen seiner Ausführlichkeit für die bessere Wahl hielt, bot ich nun meinen Studenten an, wenn denn Interesse bestehe, den Artikel nach der Vorlesung vorzutragen und ggf. die schwierigen Passagen zu übersetzen. Es fanden sich dann auch etwas mehr als eine Hand voll Interessenten ein und ich trug den Artikel im besten Hochdeutsch und langsam vor.

Aus dem danach folgenden Gespräch konnte ich zwei für mich wichtige Informationen entnehmen:

  1. Lukaschenko braucht sich als Präsident über Freikarten für die 2014 in Weißrussland stattfindende Hockeyweltmeisterschaft keine Sorgen zu machen und ist deswegen so versessen auf die Macht😀,
  2. vor allem Ältere sind womöglich Lukaschenko positiv zugeneigt.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass der zweite Punkt womöglich stark subjektiv besetzt ist. In dem Telepolis-Artikel wird z.B. behauptet, dass der Präsident weiterhin hohe Popularität genießt. Worin die Begründung für diese Popularität liegt, wird leider nicht geklärt. Alle Personen, mit denen ich gesprochen hatte, äußerten sich bisher kritisch zum Zustand Weißrusslands oder sogar zum Präsidenten. Allerdings bewege ich mich auch eher in “akademischen” Kreisen, wie darüber der Bauer vom Lande, der Bauarbeiter oder die Putzfrau denkt, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.

Wer mehr über die Opposition in Weißrussland erfahren möchte, kann sich auf charter97.org informieren. Vielleicht kann mir auch jemand einen Screenshot schicken, denn leider ist die Seite von der Uni aus nicht zu erreichen. Das sind wohl die Auswirkungen der weißrussischen Internetzensur oder die Seite ist nach dem Tod Oleg Bebenins durch Dauerzugriff einfach überlastet. Ich tippe auf ersteres.

Im Übrigen habe ich nach ca. einem Monat meinen Reisepass von den Weißrussischen Behörden wieder zurückerhalten. Ich will gar nicht wissen, was die alles mit dem Pass angestellt haben, ich hoffe allerdings das die Bundesregierung und insbesondere Herr Dr. Schäuble recht behalten und der Ausweis nicht von unbefugten auszulesen ist (da sind ja meine halben Fingerabdrücke drauf – har har) und ich zähle die weißrussischen Behörden zu den Unbefugten!

Na dann, пока!