Beim ersten Betreten ist es mir nicht weiter aufgefallen, wie waren ja eh nur auf dem Sprung in die Poliklinik, und so kam es zum Schrecken erst auf den zweiten Blick.

Ganz ehrlich muss ich aber zugeben, dass ich mich zu meiner eigenen Verwunderung schon an den Zustand einiger Teile der Wohnung gewöhnt haben.

Eines kann ich mit einiger Sicherheit sagen, mein Vorgänger oder Vorvorgänger (oder Vor…) mag wohl aus der Türkei stammen.

Nichtsdestotrotz musste ich an einen schlechten Scherz denken, als ich das Bad erblickte, habe ich doch noch die(immer noch bestehenden) Umstände mit meinen letzten Vermieter im Hinterkopf. Ich dachte also an eine nachträgliche Rache für meine konsequent durchgezogene Mietminderung. Bei meiner aktuellen Unterkunft kann ich so etwas jedoch nicht durchführen, müsste ich dazu doch von meinem Vermieter Geld bekommen (ich bezahle aktuell nichts für meine Unterbringung).

Das im Hintergrund hinter der Badewanne ist im Übrigen eine Schimmelpilz-Kolonie, mit der ich meinen Frieden schon gemacht (allein schon aus Angst von ihr gefressen zu werden…). Ansonsten macht die Unschärfe des Bildes die im Bad vorhandene Luftfeuchtigkeit sehr deutlich sichtbar. In Anbetracht der Luftfeuchtigkeit (die wohl auch schon mehrere Jahrzehnte in diesem Raum gefangen sein mag) vermute ich auch, dass das blaue der eigentliche Schimmel ist und das braune die kläglichen Überreste der sozialistischen kommunistischen Einheitstapete. Na ja, wer weiß.

Dafür genießt man aus dem 12 Stock einen wunderbaren Ausblick irgendwohin. Immerhin habe ich jetzt ein paar Teller, Besteck, Topf und eine Tasse, da kann ich es mir bei den im Winter angepeilten 10 °C in der Wohnung wenigsten schön gemütlich machen (nein, Teller, Besteck und Tasse sowie der Topf waren vorher nicht vorhanden; wahrscheinlich glaubte man wir würden Replikatoren besitzen, die das Essen samt Zubehör daher zaubern).

Den Flur, Kühlschrank, das WC und das Bad teile ich mir übrigens mit einem weiteren Mitbewohner, der wohl gute 20-30 Jahre älter ist  als ich. Der verehrte Leser wird sich vorstellen können, dass das die Kommunikation nicht gerade erleichtert.

Auf dann! до свидания!