Nach der Ankunft ging es dann sofort zur Universität, von wo aus dann alle Formalitäten nacheinander geklärt wurden. Neben der Registratur (man muss Geld zahlen, um in diesem schönen Land länger als 5 Tage sein zu dürfen) und dem Anmelden der Wohnung (man kriegt einen Ausweis für seine Wohnung – also ich zumindest) gehört  dazu auch der obligatorische Gesundheitscheck für Ausländer.

Begründet wird diese Notwendigkeit mit der Möglichkeit der Verbreitung unbekannter Krankheiten durch Ausländer. Dazu möchte ich aber entgegnen, dass die Ausländer meist gegen die bestimmte Krankheiten wahrscheinlich einfach immun sind, zweitens fand ich es angesichts der medizinischen Standards hin Weißrussland fraglich, warum gerade für einen Gast aus Deutschland eine solche Untersuchung notwendig sei.

Aber zunächst zurück zum Anfang. Die Minsker Universität unterhält eine eigene Poliklinik für Studenten (zumindest nachdem was ich von außen identifizieren konnte). Da gerade das neue Semester beginnt, bedeutet dies für mich Anstehen (ich muss noch einen Arzt besuchen, der gerade im Urlaub ist, deswegen spreche ich noch nicht in der Vergangenheit).

Die Ärzte an sich sind kein Problem, die hauen dir mal auf’s Knie  oder horchen einen ab, also bis dahin kein Problem. Aber die Herrschaften hätten gerne auch Blut, einmal jeweils aus Finger und aus Armbeuge (Spritze). Zunächst zum Finger. So etwas wird wahrscheinlich gar nicht mehr in Deutschland praktiziert, aber wenn in Weißrussland die Blutwerte überprüft werden sollen, wird das dazu notwendige Blut aus der Fingerspitze entnommen (bei uns hat sich wohl das Ohrläppchen etabliert). Nachdem ich beinahe nicht dran gekommen wäre setzte ich mich und wartete die Prozedur ab. Zunächst wurde ein Wattebausch genommen und desinfiziert (vermute ich) und mir zwischen Daumen und Zeigefinger der Opferhand geklemmt. Danach wurde ein kleines Paket aus gefaltetem Papier geöffnet. Sofort erinnerte ich mich, dass es wohl mal Zeiten gab (wahrscheinlich als Robert Koch noch lebte), da hat man das desinfizierte medizinische Besteck in Papier eingewickelt. Na ja, die Schwester bereitete sich gerade auf den Eingriff vor, da vernahm ich ein schmerzhaften Quieken  des Kameraden hinter mir, was nicht gerade zu meiner Beruhigung beitrug. Achso, die Schwester bat mich noch meine Hände zu reiben, wahrscheinlich damit das Blut schön fließe. Zumindest setzte meine Krankenschwester auch zum Anstich an und bohrte die Nadel in den Ringfinger meiner linken Hand (ich hab’s genommen wie ein Mann). Danach kam die Schwester mit einem dünnen Glasröhrchen und nahm damit, wie mit eine Pipette, das aus meinem Finger spritzende Blut auf. Danach durfte ich dann den desinfizierten (vermute ich) Wattebausch auf meine tiefe Wunde drücken.

Die Blutabnahme gestaltete sich ähnlich spannend, denn auch da wurde nur ein Wattebausch zum Abdrücken der Einstichstelle gereicht. Eines muss mal den Krankenschwestern aber lassen, sie sind äußerst professionell, was aber angesichts des Equipments auch notwendig ist. Gestern durfte ich dann noch eine feine Probe des guten deutschen Mittelstrahls abliefern, der durch den Verzehr von 1.5 Litern russischen Wassers, die innerhalb einer halben Stunde freiwillig in meinen Körper gespült wurden, gespeist wurde (soll heißen, ich habe Wasser gekauft, damit ich meine Urinprobe abgegeben konnte).

Nächste Woche geht es dann noch zum Augenarzt, dem ich dann bestimmt das kyrillische Alphabet vorexerzieren darf. Aber danach bin ich dann hoffentlich durch und werde, wenn möglich, nie wieder ein weißrussisches Krankenhaus betreten müssen. Allgemein fand ich es eine Farce, dass man mir in einer Poliklinik dieses Standards meine Gesundheit versicherte. Eher bin ich der Meinung, dass ich froh sein kann, wenn ich keine gesundheitliche Folgeschäden von dieser ganzen medizinischen Prozedur davontrage!😀

PS.: Der verehrte Leser wird nicht glauben wie froh ich bin, dass ich in eine gute Typhus-Impfung investiert habe!