Geschafft, 1597 Seite + 17 Seiten Nachwort sind gelesen. Krieg und Frieden ist ein wunderbares Buch, trotz der exorbitanten Seitenzahl (ich habe noch nie vorher ein Buch mit so vielen Seiten gelesen, selbst Die C++ Programmiersprache hat weniger Seiten – habe ich gerade nachgeschaut).

Von Verschwörungen, Intrigen, Politik, Diplomatie, natürlich Krieg und, natürlich das wichtigste, Romanzen und Liebeshändeln bietet die Geschichte reichlich. Erzählt wird dies alles im Bezug auf die verschiedenen Perspektiven der zahlreich vorhandenen Protagonisten von einem allwissenden Erzähler. Dieser allwissende Erzähler hält auch nicht mit persönlichen Urteilen, Einschätzungen und Analysen zurück. Teile des Buches geben daher ausschließlich die Gedanken des Erzählers wieder, wozu insbesondere die Abschnitte über die  Geschichtspilosophisch (aus dem Nachwort entnommen) zählen.

Der Roman spielt in der Zeit zwischen 1805 und 1820. Sehr ausführlich werden die gesellschaftlichen Kreise der “oberen Zehntausend” des russischen Zarenreiches beschrieben. Gewürzt mit den Anmerkungen des Autors eine äußerst interessante Angelegenheit. Wie auch im Rest von Europa üblich, so sprach man wohl auch damals in Russland Französisch. Die französischen Abschnitte machen nie mehr als ungefähr 8 Zeilen aus. Nichtsdestotrotz hätte ich mir dort eine Übersetzung gewünscht, sind doch meine eigenen Französischkenntnisse mir stark in Vergessenheit geraten (wenn ich sie denn je besessen habe).

Ein weiterer Schwerpunkt der Geschichte liegt auf dem Jahr 1812, als Napoleon in Russland einfiel und Moskau eroberte. Der Erzähler mag Napoleon nicht und macht daraus auch keinen Hehl. Das bedeutet aber nicht, dass die Russen besser wegkommen würden, denn auch die kriegen ihr Fett weg. Dazu gibt es, wie auch schon vorher, Beschreibungen des Soldatenlebens.

Und mittendrin immer diese Liebesgeschichten. Da ich wahrscheinlich älter und sentimentaler werde, haben die es mir besonders angetan. Am Ende wollte ich nur noch wissen, ob die Paare, die sich geradezu aufgedrängten, auch alle gefunden haben. Es tat mir dabei ein wenig um die arme Sonja leid… aber ich will nicht zuviel verraten.

Nach dieser wirklich schönen Geschichte wird es wieder Zeit für einen Schopenhauer. Ich kann mich ja nicht nur dem Müßiggang hingeben.😀