Am letzten Freitag traf ich bereits früher am Bahnhof ein, da die Straßenbahnen zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr so oft fuhren. Ich las Krieg und Frieden und wartete darauf, dass meine Freundin mit dem Zug eintrifft. Auf dem Bahnsteig gegenüber trat Qualm aus dem metallenen Müllcontainer, wie man sie von der Bahn und ihren Bahnhöfen kennt. Nach kurzer Zurückhaltung rief ich dann doch die Feuerwehr an, sicher ist sicher.

Fünf Minuten später traten zwei Beamte der Polizei mit einem Feuerlöscher bewaffnet an Müllcontainer heran, der schon gar nicht mehr so sehr qualmte und versuchten sich als Brandspezialisten.  Ein Kollege schlug auf den Auslöseknopf und hielt die Löschpistole in den Müllcontainer. Das wiederholte der Beamte bestimmt drei Mal, bevor er sich auf die Suche nach einem neuen Feuerlöscher begab, während sein Kollege von der Bundespolizei die Stellung hielt. Ich wollte schon fragen, ob da noch Neuruppin auf dem Feuerlöscher steht, wollte mir die Dreistigkeit dann vor der Staatsmacht doch nicht erlauben. Außerdem werden Feuerlöscher geprüft! Um so fraglicher ist, warum der Feuerlöscher nicht funktioniert hat?!

Gestern Abend ging es dann zunächst zum chinesischen Restaurant. Dort gibt ein sehr gutes Buffet-Angebot, das wir probieren wollten. Ein erster Hinweis darauf, dass es ein “gemischter” Abend wird, bot sich mir beim Anblick eines minder Bemittelten, der mit Lob-Piercing und “Todesstrafe für Kinderschänder“-T-Shirt in meiner Gegenwart weilte. Da kam wieder jedes Klischee zusammen.  Schön, dass sich der gesellschaftliche Dreck um die “Verbesserung der Gessellschaft” verdient machen will.

Nach dem Essen ging es dann schließlich zu DJ Mantu, der in dem nahe gelegenen Club auflegte. Neben den üblichen aufgepumten Prolls und Sonnenstudio-Opfern habe ich auch Bagger auf der Tanzfläche gesichtet.  Es ist schon belustigend, wenn einer neben einem seine bei der Kraftübung erlernten Bewegung zur Umsetzung einer Tanz-Performance verwendet. Im Umkreis von zwei Metern wird dann alles mit mechanischen Bewegungen im House-Rhythmus niedergeschmettert und dabei noch böse in der Gegend herum gestarrt, wenn dabei einer im Wege stand. Ich habe gehört, dass Tanzstunden ganz hilfreich sind, dann kann man auch eine Baustelle von einer Tanzfläche unterscheiden.

DJ Mantu selbst ist gut abgegangen, nur konnte ich leider seiner Musik-Auswahl nicht so sehr folgen, wie ich mir das gewünscht hätte. Das schlimmste waren diese gehousten Interpretationen von richtig coolen Liedern. Von denen wurde dann der Refrain angespielt und, sobald die Stimmung am Siedepunkt war, durch einen stumpfen House-Beat ersetzt. Ich hatte sogar einmal das Gefühl zwei Lieder mit unterschiedlichem Refrain aber gleichen Beat zu hören. Wer sich auch immer diese Scheiße ausgedacht hat… FAIL! Es gibt sehr schöne, melodische House-Stücke, die richtig Spaß machen und ohne den Diebstahl von Refrains bereits bekannter Lieder auskommen. Aber von der Sorte habe ich gestern vielleicht drei gehört (dabei nehme ich an, dass ich ein Lied aus Versehen überhört habe). Alles in allem war DJ Mantu höchstens Mittelmaß. Dabei halte ich ihm schon zu gute, dass er einen sympatischen Eindruck machte, obwohl er es geschafft hat, jedes geile Lied, was er angespielt hat, ordentlich zu housen, also auf gut Deutsch, zu versauen.

Ein neuer Retter den Tanzfläche hat sich im übrigen, zumindest in dem Club, auch etabliert, Paul Kalkbrenner. Was ich aber überhaupt nicht verstehe, warum es bisher immer das Lied Sky and Sand sein muss, um die Leute auf der Tanzfläche zu halten. Zugegeben, es handelt sich dabei um ein wunderbares Stück, aber im Club? Ich will doch auf der Tanzfläche nicht einschlafen!

[1] Beschreibung von Feuerlöschern der FFW Niederlungwitz