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Sie liegen bereit, die beiden akademischen Preisschriften des Dr. Arthur Schopenhauer: Über die Freiheit des menschlichen Willens und Über das Fundament der Moral. Morgen geht’s los… .

Aber was entdecke ich dort auf dem Buchrücken, dort steht ein Zitat von Leo Tolstoi:

Wissen Sie, wie es mir in diesem Sommer erging? Ein unaufhörliches Entzücken über Schopenhauer … Ich habe mir alle seine Werke kommen lassen und las und lese … Jetzt bin ich überzeugt, dass Schopenhauer der genialste Mensch ist … Das ist die Welt in einer unglaublich schönen und hellen Spiegelung.

Und ich habe mich schon über die Parallelen in der Weltsicht gewundert, die die beiden Herren in den von mir gelesenen Schriften offenbaren. Das wäre dann jetzt ja geklärt. Was für ein Zufall…

…oder eben doch nicht.

So heißt das Buch von Andrea Röpke und Andreas Speit, das ich bei der letzten Meile der Demokratie von der Ladeszentrale für politische Bildung meines Vertrauens erstanden habe. Erstanden ist gut, ich durfte es endgeldlos mitnehmen. Durch den NPD-Blog und aus dem Fernsehen waren mir das Buch sowie seine Autoren bekannt. Daher habe ich nicht lange gezögert und es mitgenommen.

In 8 Artikeln beschreiben verschiedene Autoren die NPD und ihr Umfeld. Leitthema ist dabei das immer bürgerlicher erscheinende Auftreten der Partei und seiner Mitglieder. Es wird aber auch beschrieben, wie sich hinter dieser Fassade scheinbarer Normalität die Fratze der Ewiggestrigen versteckt.

Erschreckend ist die Beschreibung der Tatsache, dass sich die NPD und ihre Vertreter in einigen Gegenden in Deutschland längst etabliert haben.  Wie andere Parteien auch wird dort die NPD wie selbstverständlich gewählt. Man kennt die Verantwortlichen persönlich und hinterfragt nicht mehr das Ansinnen hinter ihrem biederen Auftreten.

Interessant ist außerdem, mit welchem schizophrenen Rechtsverständnis begründet wird, warum Straftäter in der NPD Posten bekleiden und dort arbeiten dürfen. Da wird dann der Begriff Resozialisierung bemüht, obschon man sonst gerne mit Sprüchen und Transparenten an die Öffentlichkeit geht, die den Tod für Straftäter fordern. Mal davon abgesehen das Resozialisierung doch ein Begriff des ihnen so verhassten BRD-Systems ist. Einer der vielen Widersprüche die die Partei und ihr Umfeld mit Leichtigkeit zu vereinen wissen.

Mit seinen 200 Seiten und der guten Schreibe war das Buch im Nu durch. Der Inhalt allerdings wiegt schwer auf der patriotischen Seele.

Was für ein armes Land ist Deutschland. Die viele Jahrhunderte währende Geschichte mit seinen Höhen und Tiefen vergessen. Nur die Weltmeisterschaften bleiben, sind leichter zu erklären als die wechselvolle Geschichte. Gründe, ein patriotisches Gefühl zu entwickeln, gibt es nur noch alle zwei Jahre im Wechsel der großen Meisterschaften des Fußballsports. Dann werden Fahnen sichtbar, erst dann wird eine Verbindung zu dem Land aufgebaut, um das  sich vorher wenig geschert wurde. Eine viele Jahrhunderte währende Geschichte reduziert auf die Zusammenkunft zum Fußballfest. Eine Geschichte zusammen gestaucht in einen 2-Jahres-Rhythmus. Nur weil es herausfordernder ist, die eigentlich Geschichte zu verstehen, zu erklären und zu akzeptieren?

Je mehr Fahnen umso besser, und viel Wind! Das Ziel sind 20 und mehr Liter pro 100 km bei Überlandfahrt! Reichtum lässt sich nicht nur mit geistigem Maße messen:

Deutschland, reiches Vaterland!
Auf das der mit Fahne dreimal tankt!

Geschafft, 1597 Seite + 17 Seiten Nachwort sind gelesen. Krieg und Frieden ist ein wunderbares Buch, trotz der exorbitanten Seitenzahl (ich habe noch nie vorher ein Buch mit so vielen Seiten gelesen, selbst Die C++ Programmiersprache hat weniger Seiten – habe ich gerade nachgeschaut).

Von Verschwörungen, Intrigen, Politik, Diplomatie, natürlich Krieg und, natürlich das wichtigste, Romanzen und Liebeshändeln bietet die Geschichte reichlich. Erzählt wird dies alles im Bezug auf die verschiedenen Perspektiven der zahlreich vorhandenen Protagonisten von einem allwissenden Erzähler. Dieser allwissende Erzähler hält auch nicht mit persönlichen Urteilen, Einschätzungen und Analysen zurück. Teile des Buches geben daher ausschließlich die Gedanken des Erzählers wieder, wozu insbesondere die Abschnitte über die  Geschichtspilosophisch (aus dem Nachwort entnommen) zählen.

Der Roman spielt in der Zeit zwischen 1805 und 1820. Sehr ausführlich werden die gesellschaftlichen Kreise der “oberen Zehntausend” des russischen Zarenreiches beschrieben. Gewürzt mit den Anmerkungen des Autors eine äußerst interessante Angelegenheit. Wie auch im Rest von Europa üblich, so sprach man wohl auch damals in Russland Französisch. Die französischen Abschnitte machen nie mehr als ungefähr 8 Zeilen aus. Nichtsdestotrotz hätte ich mir dort eine Übersetzung gewünscht, sind doch meine eigenen Französischkenntnisse mir stark in Vergessenheit geraten (wenn ich sie denn je besessen habe).

Ein weiterer Schwerpunkt der Geschichte liegt auf dem Jahr 1812, als Napoleon in Russland einfiel und Moskau eroberte. Der Erzähler mag Napoleon nicht und macht daraus auch keinen Hehl. Das bedeutet aber nicht, dass die Russen besser wegkommen würden, denn auch die kriegen ihr Fett weg. Dazu gibt es, wie auch schon vorher, Beschreibungen des Soldatenlebens.

Und mittendrin immer diese Liebesgeschichten. Da ich wahrscheinlich älter und sentimentaler werde, haben die es mir besonders angetan. Am Ende wollte ich nur noch wissen, ob die Paare, die sich geradezu aufgedrängten, auch alle gefunden haben. Es tat mir dabei ein wenig um die arme Sonja leid… aber ich will nicht zuviel verraten.

Nach dieser wirklich schönen Geschichte wird es wieder Zeit für einen Schopenhauer. Ich kann mich ja nicht nur dem Müßiggang hingeben. 😀

Am letzten Freitag traf ich bereits früher am Bahnhof ein, da die Straßenbahnen zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr so oft fuhren. Ich las Krieg und Frieden und wartete darauf, dass meine Freundin mit dem Zug eintrifft. Auf dem Bahnsteig gegenüber trat Qualm aus dem metallenen Müllcontainer, wie man sie von der Bahn und ihren Bahnhöfen kennt. Nach kurzer Zurückhaltung rief ich dann doch die Feuerwehr an, sicher ist sicher.

Fünf Minuten später traten zwei Beamte der Polizei mit einem Feuerlöscher bewaffnet an Müllcontainer heran, der schon gar nicht mehr so sehr qualmte und versuchten sich als Brandspezialisten.  Ein Kollege schlug auf den Auslöseknopf und hielt die Löschpistole in den Müllcontainer. Das wiederholte der Beamte bestimmt drei Mal, bevor er sich auf die Suche nach einem neuen Feuerlöscher begab, während sein Kollege von der Bundespolizei die Stellung hielt. Ich wollte schon fragen, ob da noch Neuruppin auf dem Feuerlöscher steht, wollte mir die Dreistigkeit dann vor der Staatsmacht doch nicht erlauben. Außerdem werden Feuerlöscher geprüft! Um so fraglicher ist, warum der Feuerlöscher nicht funktioniert hat?!

Gestern Abend ging es dann zunächst zum chinesischen Restaurant. Dort gibt ein sehr gutes Buffet-Angebot, das wir probieren wollten. Ein erster Hinweis darauf, dass es ein “gemischter” Abend wird, bot sich mir beim Anblick eines minder Bemittelten, der mit Lob-Piercing und “Todesstrafe für Kinderschänder“-T-Shirt in meiner Gegenwart weilte. Da kam wieder jedes Klischee zusammen.  Schön, dass sich der gesellschaftliche Dreck um die “Verbesserung der Gessellschaft” verdient machen will.

Nach dem Essen ging es dann schließlich zu DJ Mantu, der in dem nahe gelegenen Club auflegte. Neben den üblichen aufgepumten Prolls und Sonnenstudio-Opfern habe ich auch Bagger auf der Tanzfläche gesichtet.  Es ist schon belustigend, wenn einer neben einem seine bei der Kraftübung erlernten Bewegung zur Umsetzung einer Tanz-Performance verwendet. Im Umkreis von zwei Metern wird dann alles mit mechanischen Bewegungen im House-Rhythmus niedergeschmettert und dabei noch böse in der Gegend herum gestarrt, wenn dabei einer im Wege stand. Ich habe gehört, dass Tanzstunden ganz hilfreich sind, dann kann man auch eine Baustelle von einer Tanzfläche unterscheiden.

DJ Mantu selbst ist gut abgegangen, nur konnte ich leider seiner Musik-Auswahl nicht so sehr folgen, wie ich mir das gewünscht hätte. Das schlimmste waren diese gehousten Interpretationen von richtig coolen Liedern. Von denen wurde dann der Refrain angespielt und, sobald die Stimmung am Siedepunkt war, durch einen stumpfen House-Beat ersetzt. Ich hatte sogar einmal das Gefühl zwei Lieder mit unterschiedlichem Refrain aber gleichen Beat zu hören. Wer sich auch immer diese Scheiße ausgedacht hat… FAIL! Es gibt sehr schöne, melodische House-Stücke, die richtig Spaß machen und ohne den Diebstahl von Refrains bereits bekannter Lieder auskommen. Aber von der Sorte habe ich gestern vielleicht drei gehört (dabei nehme ich an, dass ich ein Lied aus Versehen überhört habe). Alles in allem war DJ Mantu höchstens Mittelmaß. Dabei halte ich ihm schon zu gute, dass er einen sympatischen Eindruck machte, obwohl er es geschafft hat, jedes geile Lied, was er angespielt hat, ordentlich zu housen, also auf gut Deutsch, zu versauen.

Ein neuer Retter den Tanzfläche hat sich im übrigen, zumindest in dem Club, auch etabliert, Paul Kalkbrenner. Was ich aber überhaupt nicht verstehe, warum es bisher immer das Lied Sky and Sand sein muss, um die Leute auf der Tanzfläche zu halten. Zugegeben, es handelt sich dabei um ein wunderbares Stück, aber im Club? Ich will doch auf der Tanzfläche nicht einschlafen!

[1] Beschreibung von Feuerlöschern der FFW Niederlungwitz

Vellocet Club

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