Nun bin ich durch mit Die Welt als Wille und Vorstellung und ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Mein großes Ziel ist es nun, auch die restlichen Werke Schopenhauers zu lesen, denn schon Nietzsche sagte:

Ich gehöre zu den Lesern Schopenhauers, welche, nachdem sie die erste Seite gelesen haben, mit Bestimmtheit wissen, daß sie alle Seiten lesen und auf jedes Wort hören werden, das er überhaupt gesagt hat.

Dabei sollte man aber nicht wirklich auf jedes Wort hören, aber diese dennoch zur Kenntnis nehmen.

So ist Schopenhauer Anhänger der Theorie der generatio aequivoca (2 Links), die so heute wohl von niemanden mehr vertreten wird. Und so gibt es das eine oder andere, das einer Betrachtung aus heutiger Sicht nicht mehr standhalten würde, auch wenn dies meiner Meinung nach bemerkenswert wenige Aussagen betrifft.

Neben Schopenhauers Theorie nehme ich als Leser insbesondere auch seine Schmähungen und Kritiken zur Kenntnis, die alle bisher gelesen Bücher für mich so lesenswert machen. Schopenhauer ist sich z.B. nicht zu schade auch dem Aristoteles seine Kritik zu Teil werden zu lassen. So schreibt Schopenhauer, nachdem er die mangelnde Sachkenntnis und Oberflächlichkeit des Aristoteles rügt:

Durch ein ganz analoges Verfahren hat er [Aristoteles] das richtige astronomische Weltsystem der Pythagoreer verdrängt und durch seine absurden Grundprincipien, die er besonders in den Büchern de coelo darlegt, das System des Ptolemäos veranlaßt, wodurch die Menschheit einer bereits gefundenen Wahrheit, von höchster Wichtigkeit, wieder auf fast 2000 Jahre verlustigt ward.

Ich muss aber zugeben, dass ich dem entsprechenden Wikipedia-Artikel zu der Astronomie der Pythagoreer keine entsprechenden Wahrheiten entnehmen konnte, die bis heute Gültigkeit besitzen sollen. Aber vielleicht können mir ja meine sehr verehrten und hochgeschätzten Leser weiterhelfen.

Ganz wunderbar finde ich Schopenhauers Erklärung, warum Frauen keinen Bart besitzen. Aber zunächst zum Manne. Der hat nun einen Bart, weil jede Regung seines Gemüts sich in seinem Gesichtsausdruck widerspiegelt, insbesondere in der Gegend um seinen Mund. Diese Gemütsäußerungen können nun unvorteilhaft sein, verraten sie den Mann doch z.B. bei Verhandlungen und daher gab die Natur dem Mann einen Bart.

Hingegen konnte desselben das Weib entrathen; da ihr die Verstellung und Selbstbemeisterung (contenance) angeboren ist.

Hehe, genau, so muss es wohl sein, ein wenig Selbstbeherrschung und schon braucht man(n) keine Bartpflege mehr zu betreiben.🙂

Es wird noch ein Weilchen dauern, bis ich das nächste Werk Schopenhauers in Angriff nehmen kann, da ich momentan an meinem ersten Tolstoi sitze. Krieg und Frieden heißt das Werk und hat gute 1600 Seiten, die so dünn sind wie die eines Gesangbuchs.